Äthiopien und die Region am Horn von Afrika:
Äthiopien gilt noch immer als eine der ältesten Honiganbauregionen der Welt. In der äthiopisch-orthodoxen Kirche gelten Bienenwachskerzen als heilig. Die Bienenstöcke wurden aus Wolle, Stroh und Lehm gebaut, manchmal in Baumhöhe, um Schutz vor Hitze und Tieren zu bieten. Bienen galten als „Boten Gottes“ und wurden mitunter als „Augen des Geistes“ bezeichnet. Erscheinen Bienen im Hof, wird dies als Segen oder als Zeichen dafür gedeutet, dass die Verstorbenen das Haus beschützen.
Westafrika: Nigeria, Ghana, Benin:
In westafrikanischen Kulturen wird Bienen oft eine tiefe spirituelle Bedeutung zugeschrieben, etwa als Totemtiere oder Vermittler zur Geisterwelt. In der Yoruba-Tradition beispielsweise ist die Biene mit der Göttin Oshun, der Göttin der Flüsse, der Fruchtbarkeit und der Süße, verbunden. Die Göttin erscheint mitunter umgeben von Bienen, die als ihre Boten gelten. In manchen Legenden beschützen sie sie im Kampf gegen andere Götter, weshalb die Biene als energetische Wächterin des Tores zur Geisterwelt angesehen wird.
In der ghanaischen Folklore:
In Volkssagen wird die Biene als „kleines Tier mit dem Herzen einer Königin“ beschrieben, als ein Tier, das den Menschen Geduld und Zusammenarbeit lehrt. In alten Liedern wird sie als „Mutter des süßen Goldes“ bezeichnet. Honig gilt als flüssiges Gold.
Zentralafrika: Kongo, Kamerun, Gabun:
In den Waldregionen Zentralafrikas verbindet sich die Tradition der Honigjagd mit einer reichen Mythologie. Bei den (Bamiléké) Stämmen in Kamerun gilt die Biene als Symbol stiller Weisheit. Sie erschafft, plant und handelt im Stillen. In der traditionellen Kunst finden sich bienenförmige Masken, die gemeinschaftliche Arbeit und Treue symbolisieren. Bei den Mbuti im Kongo heißt es, der erste Mensch habe von den Bienen gelernt, Nahrung zu sammeln, ohne den Wald zu schädigen. Die Honigjagd gilt als heiliger Akt, der ein Gebetslied an die Bienen erfordert, um deren Erlaubnis zu erbitten. In Heil- und spirituellen Zeremonien gilt Honig als „Speise der Geister“. Er wird zur Reinigung von Körper und Seele vor Ritualen verwendet und dem Schamanen auf den Mund aufgetragen, um die Kommunikation mit dem Wald zu erleichtern.
Südafrika: Die Saanen- und Zulu-Völker:
Die Verbindung im Süden des Kontinents ist tiefgründig, fast mystisch, und findet auch in der Kunst ihren Ausdruck.
Die Felskunst der San:
Gemälde aus der Zeit vor Tausenden von Jahren zeigen Bienen und Honigsammler. In ihrem Glauben fungierte die Biene als Vermittlerin zwischen der Ober- und der Unterwelt. Honig galt als „Lebensflüssigkeit“, die Sonne und Erde verbindet.
In der Zulu-Tradition:
Die Biene gilt als Botin der Ahnen. Wenn eine Biene ins Haus kommt, darf man sie nicht verscheuchen; es ist ein Zeichen dafür, dass die Ahnen zu Besuch gekommen sind. Manchmal wird der Bienenstock in der Nähe der Gräber der Vorfahren errichtet, um ihre Geister zu bewahren. Junge Frauen aßen Honig bei Fruchtbarkeitszeremonien, um Süße ins Haus und in den Schoß zu bringen.
Nordafrika (außer Ägypten): Libyen, Algerien, Marokko:
In der Sahara und bei den Berbern wurde die Biene als Symbol weiblicher Kraft und Heilkraft verwendet.
Bei den Berbern:
Bienen gelten als mystische Wesen. In alten Glaubensvorstellungen gilt die „Honigfrau“ (Tamazight: Tislit n’taɣat) als Hüterin des Naturwissens.
In Marokko:
Dort gibt es eine alte Tradition der Bienenhaltung in Lehmbauten („Taddart n’Tazzult“) und uralten Steinbienenstöcken, von denen einige bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen. Honig wurde bei Hochzeitszeremonien und zur Augenheilung als reinigende und heilige Substanz verwendet. Die Biene wurde als Tier des „weiblichen Wissens“ angesehen, als ein Wesen, das Segen, Heilung und Schöpfung bringt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Bienen haben den Menschen durch die Geschichte hindurch begleitet, nicht nur aufgrund ihrer Beiträge zum Umweltschutz und zur Landwirtschaft, sondern auch als Quelle spiritueller, religiöser und kultureller Inspiration. Die Verehrung der Bienen, die sie als göttliche Boten betrachtet, spiegelt die tiefe Wertschätzung für sie als Brücke zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, als soziales Vorbild und als Quelle von Fülle und Weisheit wider. In der heutigen Zeit wird der Schutz der Bienen immer dringlicher, nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch als kultureller Wert und existenzielles Symbol.
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